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admirado | 22. August 2017

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Heidelberg: Lisa voller Leidenschaft

Heidelberger Schloss (Foto: Jan Thomas Otte) Heidelberger Studentenlokal (Foto: Jan Thomas Otte) Tor zur Altstadt an der Alten Brücke (Foto: Jan Thomas Otte)
Jan Thomas Otte

Review Overview

Stadt
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Land
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Fluss
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Romanze

"Ich hab mein Herz in Heidelberg verlohren", dichtete Hölderin. Amerikaner schauen sich lieber den Studentenprinz an. Ausflug in die deutsche Romantik...

Alles auf As! Und zwar in drei Akten mit kräftigen Klängen und Farben, dramatischen Charakteren und Szenen, welche das Publikum in den Bann ziehen. Ein Besuch im Heidelberger Stadttheater…

Mit viel Beifall wurde einer Premiere des Opernkrimis von Peter I. Tschaikowsky „Pique Dame“ in der Städtischen Bühne Heidelberg bedacht. Auch wenn der Ausgang des Werkes bereits im Voraus zu erahnen ist. Hermann (Michael Putsch), ein bettelarmer, skrupelloser und nach Gewinn dürstender Offizier, liebt Lisa voller Leidenschaft (Gergana Geleva); ein „Mündel“ der geheimnisvollen Gräfin (Carolyn Frank).

Diese soll angeblich das Geheimnis von drei Spielkarten wahren, welche im Spiel immer Glück bringen sollen. Bisher haben nur zwei Männer davon erfahren. Nerven-Krankheit, Adel und Gier Der alten Gräfin, welche zunehmend an Psychosen zu leiden scheint, wurde aber auch prophezeit, dass eine dritte Offenbarung den sicheren Tod bringen werde.

Hermann ist ungeheuerlich fasziniert von diesen drei Karten, die ihn immer mehr in ihren Bahn ziehen. Nicht nur seine Gier plagt ihn, sondern auch seine scheinbar hoffnungslose Liebe zu Lisa, welche mit dem Oberganoven aus seiner Bande, dem Fürsten Jeletzki (Aaron Judisch) vermählt werden soll.

Mysteriöses vom Grafen

Das Schicksal nimmt seinen Lauf und die Gräfin muss wegen der mysteriösen Prophezeiung sterben. Zwischen Wahnvorstellungen und Schuldgefühlen schwankend erscheint Hermann im Traum noch ein Mal die Gräfin, welche ihm nun endlich das Geheimnis um die drei Karten preisgibt.

Drei, Sieben und Ass. Er kann nicht von seiner Sucht nach Reichtum ablassen, die Gier nach dem schnellen Geld ist doch stärker. Alle Versuche Lisas, ihren Geliebten von seinem Kurs der Selbstentfremdung abzubringen, scheitern kläglich. Drei Mal geht der wahnsinnige Offizier im Spiel mit den Konkurrenten aufs Ganze und setzt alles auf eine Karte.

Doch die letzte Karte ist die „Pique Dame“. Der Abend wird durch die hervorragenden Stimmen von Michael Putsch und Gergana Geleva geprägt, indem sie das Publikum sowohl mit dramatischer Ausdruckstärke als auch sanften Klängen begeistern können. Gleiches gilt für die anderen Charaktere, welche übrigens durchgehend von Sängern gespielt wurden.

„Herz in Heidelberg verloren…“

Dem Philharmonischen Orchester mit Volker Christ am Pult und dem Opernchor des Theaters Heidelberg unter der Leitung von Tarmo Vaask gelingt es, die auf der Bühne ausgedrückte Leidenschaft passend zu unterstreichen.

Bilder aus dem Odenwald und Heidelberg? Das sind mehr als Wald und Wiesen, wie der neue DUMONT zeigt. Reinschauen lohnt sich!

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Tschaikowskys vorletzte Oper wurde zu Lebzeiten (1840-1893) sein größter künstlerischer Erfolg und ist noch heute fest im Repertoire vieler Opernhäuser vertreten. „Pique Dame“ wurde 1890 in St. Petersburg uraufgeführt und ist in ihrer Handlung auf die gleichnamige Novelle des Schriftstellers Alexander Puschkin im Jahre 1834, Begründer der russischen Literatursprache, zurückzuführen.

„Wie im Bereich des Physischen zwei Körper nicht ein und denselben Raum einnehmen können. Gierige Gedanken, Geld und Gewinne So können auch zwei fixe Ideen in der Gedankenwelt eines Menschen nicht zusammen existieren“, analysierte Puschkin. Drei, Sieben, Ass gingen Hermann nicht mehr aus dem Kopf.

Dekoration  in der Altstadt

Tschaikowski soll während der Fertigstellung seiner Oper in Florenz zum Schluss vor lauter Mitleid mit dem armen Hermann bitterlich geweint haben. Er konnte den Ort seines Aufenthaltes nicht länger ertragen und reiste am nächsten Tag nach Rom.

Ganz anders als die Anderen So erging es dem betagten Herrn in der zweiten Reihe, der eine gute Stunde vor sich hin döste – sich aber zum Ende noch an jede Szene erinnern konnte und die „sehr beeindruckende Bühnendekoration“ mit lobenden Worten hervorhob.

Und da wäre noch der Blechbläser, der nicht sonderlich viele Einsätze im gesamten Werk zu meistern hatte und deshalb mit der Rückwand des Orchestergrabens als Kopfkissen Vorlieb nahm.

Artikelbilder: © Jan Thomas Otte

Service


  • Heidelberg ist eine Großstadt in Baden-Württemberg im Südwesten Deutschlands, unweit der Mündung des Neckars in den Rhein.

    Die ehemalige kurpfälzische Residenzstadt ist bekannt für ihre Schlossruine oberhalb von Fluss und Altstadt sowie die Ruprecht-Karls-Universität, die älteste Hochschule auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Sie zieht Wissenschaftler und Touristen aus aller Welt an.


  • Mit über 149.000 Einwohnern ist Heidelberg die fünftgrößte Stadt des Bundeslandes. Sie ist Stadtkreis und zugleich Sitz des umliegenden Rhein-Neckar-Kreises. Das dicht besiedelte Gebiet, in dem Heidelberg gemeinsam mit Mannheim und Ludwigshafen liegt, wird als Metropolregion Rhein-Neckar bezeichnet. Das unversehrte Heidelberg zog nach dem Zweiten Weltkrieg viele ausgebombte und vertriebene Deutsche an. Heidelberg wurde Teil der amerikanischen Besatzungszone und Standort hoher Kommandostellen der US-Armee und später auch der NATO. Dafür enteigneten die amerikanischen Behörden Immobilien, was zunächst für Unmut sorgte. Bis 2013 war die Stadt Sitz des NATO-Landhauptquartiers Mitteleuropa.

  • Martin Luthers reformatorische Ideen hatten sich schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Südwestdeutschland verbreitet. Unter Kurfürst Ottheinrich (1556–1559) wurde in der Kurpfalz schließlich die Reformation eingeführt. Nach dem Übergang zum Calvinismus zog Heidelberg Studenten und Wissenschaftler aus ganz Westeuropa an und galt nach Leiden als drittes Genf. So erschien 1563 in Heidelberg der Heidelberger Katechismus und 1572 die erste deutsche Gesamtübersetzung der Institutio Christianae Religionis, dem Hauptwerk von Johannes Calvin. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde in Heidelberg eine Vielzahl prächtiger Renaissancebauten errichtet, die – abgesehen vom Haus zum Ritter – im Pfälzer Erbfolgekrieg allesamt zerstört wurden. Auch das Schloss wurde damals wesentlich erweitert und von der mittelalterlichen Burg zu einer neuzeitlichen Residenz umgestaltet.

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