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admirado | 15. Dezember 2017

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Zürich: Stadt der Banker und Lenker

Das Zürcher Grossmünster (Foto: Jan Thomas Otte) Altstadt-Ansicht (Foto: Jan Thomas Otte) Züri-See (Foto: Jan Thomas Otte)
Jan Thomas Otte

Zürcher Banker seien oberflächlich, ihre Hotels etwas langweilig. Fast so wie dunkelgraue Anzüge – meint man. Zwischen tristem Grau am Paradeplatz, Bankzentralen und dem Blau des Züri-Sees. Über das Leben im Hotel…

Zwischen Limmat, Großmünster und Universität liegt das Glück, schreibt das Merian-Magazin überZürich. Damit ist die Touristenmetrople am Fuße der Alpen gemeint, auch die Stadt der 20.000 Studenten. Moment mal: Wo sind hier diejenigen Menschen, Macher über die gerade sehr gesprochen wird?

Richtig, die Banker schaffen im Bankenviertel. Sie bewegen die Kurse an der Börse, verwalten Milliarden Franken ihrer Kunden, genauer: ein Drittel des Privatvermögens weltweit. Treffpunkt Bahnhofstraße In der Bahnhofstraße geben sich bekannte Marken und Slogans die Klinke in die Hand. Von den Bankern selbst aber zeugen nur die Schlagzeilen mit ihren Fotos in den Zeitungskiosken, die vom letzten Skandal bei der Pressekonferenz.

Von den übrigen 99 Prozent der Anzugträger, die auf Kopfsteinpflaster zum nächsten Termin stolpern, vermag man sie nicht zu unterscheiden. Daher hilft nur ein Mittagessen in umliegenden Hotels des gehobenen Establishments…

Viele Manager, wenig Diplomaten Während in Genf gleich mehrere Grandhotels um zahlungskräftige Kunden buhlen, auch Diplomaten sind darunter, so ist dieser Markt in der heimlichen Hauptstadt der Schweiz recht überschaubar. Es gibt kaum welche in den Touristenverzeichnissen der Stadt. Zum Beispiel das Hyatt Parkhotel.

Konservatives Gewerbe

In der mittelalterlich anmutenden Altstadt in Richtung Universität wäre seine junge Konstruktion aus Beton, Glas und Stahl ziemlich deplatziert. Nicht aber im Finanzviertel und schon gar nicht, wo einmal ein Parkhaus war.

Die Stadt Zürich bleibt ihrem konservativen Gewerbe treu, ebenso wie die Banker. Keine Stuckdecke mit Schnörkeln Hochgeknöpfte Kunden, Berater von Banken oder Teilnehmer von Kongressen wie dem Davoser Weltwirtschaftsforum. Sie alle kehren hier ein und wagen doch etwas Neues.

Im Vergleich zu seiner traditionsreichen, fest verankerten aber auch altbekannten Konkurrenz im Stadtbild war dieser Bau des Hyatts ein Risiko. Keine Stuckdecke mit Schnörkeln überm Bett, nicht mal ein Käsefondue im Restaurant. Ein ausländischer Gast hätte dieses wohl als Erstes im Kopf, wenn er an die Schweiz denkt. Nicht den Devisenhandel.

Der Charme der etwas anderen Grand Dame erschließt sich erst beim zweiten Hingucken. Putenbrust vorm Flachbildschirm Von Außen mutet es wie eins der sterilen Businness-Hotels an, dass einem den Aufenthalt im Format 0:8:15 so funktional wie möglich macht.

Das bietet auch das Hyatt Zürich an, Dinge von denen beim Heimflug nichts hängen bleibt. Etwa mit diesen Ablauf : Abends Feierabend um halb Zehn, schnell noch in die Sauna, dann das Bier an der Bar. Morgens den Seifenmix des Hauses anbrechen, der Anruf fürs Taxi an der Rezeption und ein Fax auf Hotelpapier.

Wo bleibt das Besondere des Geschäftsreisenden? Zugegeben keine leichte Sache für Hotelchefs mit einem anspruchsvollem wie verwöhntem Publikum, zum Beispiel Manager deren Frauen gern in HIP-Büchern blättern. “Down-Shiften” imManagement Abschalten bei einem nächtlichen Gang zum Zürichsee öffnet neue Perspektiven im hektischen Treiben der Finanzmetropole. Das Rauschen der Tram vermischt sich mit den Wellen am Ufer…

Modernes Design

Geschärft durch diese Pause sieht das schon anders aus. Zuvorkommende statt nervende Empfangsdamen, anders als das auch hier weniger sprachbegabte oder freundliche Reinigungspersonal — wohl auch wegen einer anderen Gehaltsklasse. Was Joseph Ackermann am Tag verdient, sammelt die Putzfrau im ganzen Jahr. Fleißig poliert sie die Designeramaturen, Spiegel und Parkett zur Perfektion. Formvollendetes Interieur statt Gewöhnlichkeit aus edlem Holz, Keramik und weißen Stoffen.

Natürlich nicht nur im Hyatt sondern auch bei der Konkurrenz: Ebenso kann sich die Speisekarte sehen lassen, zum Beispiel ein Wells mit leckerer Soße bei gedimmten Kunstlicht. Und auch unten in der Sauna weiß der Manager um praktische Überraschungen, der Summe kleiner Details die das Ganze ausmachen: Einen kleinen Klappkamm, der auch später noch im Kulturbeutel steckt. Die Frisur muss eben auch beim etwas anderen Haus der Fünf-Sterne-Kategorie stimmen, nach außen mindestens.

Das Park Hyatt Zürich liegt mitten im Finanzviertel der Stadt, nahe dem Kongresshaus, den Banken, der Altstadt, rund zehn Kilometer entfernt vom Flughafen. Zigaretten gegen den Stress, etwas Obst… Die Einkaufsmeile an der Bahnhofstraße, der Züricher See und das Nachtleben, dort wo Studenten und Manager zusammen treffen, sind in wenigen Schritten vom Hotel aus zu erreichen. Allerdings wird in der Schweiz nicht überall der Nichtraucherschutz groß geschrieben.

Die Gästezimmer verfügen über raumhohe Fenster, den Zürichsee kann man sich dazu denken. Beim Schlafen im King-Bett mit italienischer Bettwäsche, dem Marmorbad mit Regendusche und separater Badewanne gelingt das jedoch besser. Der Korb mit frischem Obst und Mineralwasser sorgt dafür, dass auch Manager — bezogen auf das Körpergewicht — nicht zunehmen…

Artikelbilder: © Jan Thomas Otte

Logbuch| Jan Thomas Otte war 24 Stunden in der Zürcher Hotelwelt unterwegs. Mit Chauffeur und R-Klasse-Mercedes vom Flughafen ging es „admirado“ zu weiteren vier Sternen. Luxus, wer ihn sich leisten kann ….

Hier empfehlen wir einige Reiseführer. Den Lonely Planet und die „Gebrauchsanweisung“ für die Schweiz.

 

Die “Gebrauchsanweisung” zur Schweiz liefert im s/w-Format die wichtigsten Infos. Nicht, was konkrete Unterkünfte oder Tourenvorschläge angeht. Die Autoren liefern alles, was man über die Schweizer Seele wissen muss. Und was der Unterschied zwischen West- und Ostschweiz über den Röstigraben hinaus ist.

Mit dabei manch ulkige Geschichte, zum Beispiel über die Trennung des Kantons Jura in Deutsch und Französisch…

 

Der Lonely-Planet-Reiseführer ergänzt die o.g. Schwäche konkreter Tips und liefert Infos, wie man in der sonst sacketeuren Schweiz seinen Geldbeutel schonen kann. Er hat jedoch in Sachen Sprache und Kultur deutlich weniger zu bieten. Interessant ist der Wandel der Interessen, Redaktion und Lesern.

Statt die steilste Tour mit dem Postbus hinauf zur Griesalp oberhalb des Kientals für 5 CHF wird gleich die Fahrt mit der Zahnradbahn zum Jungfraujoch empfohlen, für 135CHF..

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