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admirado | 15. Dezember 2017

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Südafrika: Am Cup der guten Hoffnung

Südafrika: Am Cup der guten Hoffnung
Jan Thomas Otte

An Kapstadts Molen flanieren, hinauf zum Tafelberg oder gleich an der Gardenroute entlang. Südafrika hat wunderschöne Seiten, zum Reisen. Aber auch zum Arbeiten. Spannende Kulturen warten, soziale Konflikte ebenso…

Jobben in der Stadt: Pretoria, Johannesburg, Kapstadt Rote Ampel, Benzin-Abgase, vorbei eilende Passanten. Ein Autofahrer hat vergessen, sein Knöpfchen an der Türseite runterzudrücken. Mitten in Johannesburg, am helllichten Tag. Trotzdem.

Ein Gangster reist seine Tür auf, gestikuliert wild mit seiner Knarre, stummelt irgendetwas auf Afrikaans. Die Ampel wird grün, der Wagen fährt weiter, ohne Besitzer. Hört sich an wie ein schlechter Tatort am Sonntagabend, ist es aber nicht. Das gehört zum Alltag.

Auch als Tourist, wenn man nicht aufpasst oder einfach nur Pech hat. In den Häuserschluchten der City scheint die Schere zwischen Reichen und Armen besonders groß zu sein. Anders in den Villenvierteln mit blank geputzten Fassaden, vor allem in Kapstadt.

Arbeitslosigkeit am Kap der Hoffnung

Trotz dieser sozialen Unterschiede, verbunden mit einer hohen Kriminalität, ist Südafrika die größte Volkswirtschaft des Kontinents. Mit einem BIP von rund 4000 Euro pro-Kopf, offiziell ist jeder vierte Südafrikaner arbeitlos, die Dunkelziffer mal ausgelassen.

Dem Land geht es eigentlich recht gut, wirtschaftlich gesehen. Südafrika ist für ausländische Unternehmen attraktiv, viele haben hier ihre Quartiere für das gesamte, südliche Afrika. Von der Continentale über BASF oder BMW bis zu Volkswagen.

Es finden sich viele deutsche Unternehmen im ABC der Handelsregister: „Die gibt es hier wie Sand am Meer“, berichtet Peter Hühne. Schon zwei Praxissemester hat der Braunschweiger hier verbracht.

Weinberge, Parks und Meeresrauschen

So habe er bereits einige Deutsche kennengelernt, die über diesen Weg schon mehrere Jahre, manche sogar Jahrzehnte in Südafrika arbeiten. Entspannen auf dem Land: Krüger-Nationalpark, Stellenboschs Weinberge… Mit einer Fläche viermal so groß wie Deutschland, gibt es landschaftlich vieles mehr zu entdecken.

Am Besten per Geländewagen. In den Städten ist die Infrastruktur recht gut ausgebaut worden, die Fußball-Weltmeisterschaft letztes Jahr hat es gefördert . Auf langen Überlandstraßen berichten Reisende dagegen von „sehr rauhen Sitten“, Kidnapping an Schlaglöchern, beim Wechseln des Reservereifens sei keine Seltenheit, liest man so manches Warnschild.

Endlich ein Mal angekommen, gehören Regionen wie der Krüger Nationalpark zu den größten Touristenmagneten. Wildparks, in denen man Tiere wie Elefanten, Löwen und Giraffen, die „Big Five“ in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kann.

Wenn Sommer Winter wird…

Das Wetter mache der Safari keinen Strich durch die Planung, einen „Winter nach deutschem Vorbild“ gebe es nicht, werben Reiseveranstalter. Lediglich zurzeit, in den Wintermonaten Juni bis August, könne es durchaus mal frisch werden, erklären die Ranger.

Gemeint sind Abenteuerlustige, meist Packpacker, die auf günstigeren Zeltplätzen campieren. …. oder am Meer: Brandung zweier Ozeane, GardenrouteHat man das entsprechende Kleingeld, so lässt es sich in Südafrika gut leben, auch für längere Zeit.

Es gibt jede Menge Hotels und Restaurants, aus europäischer Sicht zu moderaten Preisen. Wie zuhause, gibt es auch hier Einkaufszentren mit bekannten Marken wie Armani, Tommy Hilfiger oder Ralph Lauren. Allem, was nötig oder unnötig ist um an den Promenaden zu flanieren.

Gardenroute und Tsitsikamma

Was es in Europa aber nicht in dieser Form gibt, verbirgt sich hinter dem schillernden Begriff der „Gardenroute“, östlich von Kapstadt. Reiseführer versprechen „bizarre Küsten und reißende Flüsse“. Mit dem Mietwagen ein paar Tage unterwegs, kommt man dabei an (als einsam beschriebene) Traumstrände, zum Beispiel die türkisfarbene Lagune im Tsitsikamma-Nationalpark, mit Urwald im Hintergrund.

Das Beobachten von Robbenkolonien oder das abendliche Verspeisen einer Knysna-Auster darf dabei nicht fehlen, wer es sich leisten kann. Das soziale Leben verbringen Familien unterschiedlicher Hautfarbe meistens für sich, wohlhabendere Südafrikaner vielfach hinter Stacheldraht. Wer im Gesichtweiß ist, gilt nach wie vor als reich.

Und wer schwarz ist, meist als arm. Was die Statistik bestätigt, sieht man auch mit bloßem Auge. Es gibt kaum Kneipen oder Clubs, deren Gäste eine Art Querschnitt der Gesellschaft widerspiegeln. Erfahrungen, die jeder Südafrika-Reisende trotz wunderschöner Fotos mit Giraffen, Löwen und manchem Pinguin am „Kap der guten Hoffnung“ mit nach Hause nimmt.

Artikelbild: © Marion Hansberg

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Lexikon

Neben elf offiziellenLandessprachen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Minderheitensprachen. Zum Beispiel Fanakalo, Lobedu, Phuthi oder Khoe.

Englisch bleibt jedoch führend, ist „lingua franca“. Fast jeder Südafrikaner besitzt englische Grundkenntnisse. Vorteil für Deutsche, die ihr Englisch aufbessern wollen: auf verschiedene Akzente achten – und diese versuchen zu verstehen…

Mündliche Gespräche gehören einfach dazu, privat wie beruflich. Werden Dinge aber nur ein Mal angesprochen, gehören sie in die Kategorie „Small-Talk“. Will man dann mal etwas wirklich Wichtiges sagen, so muss man sich wiederholen. Südafrikanische Kollegen wollen von der Dringlichkeit einer Sache überzeugt werden.

Ungewöhnlich für einen Deutschen, der gerne manchen Wunsch von seinen Lippen abgelesen haben will.Ein langer Atem hilft dabei, sich an diese Nachfrage-Mentalität zu gewöhnen.

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