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admirado | 15. Dezember 2017

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Südafrika: Von Kapstadt in die Karoo, entlang der „Garden Route“

BOS, das Nationalgetränk der Republik - Rooibush-Tee, auch aus der Dose (Foto: Jan Thomas Otte) Elefant (Foto: Jan Thomas Otte) Berge zwischen Little & Greater Karoo (Foto: Jan Thomas Otte) Zebra (Foto: Jan Thomas Otte) Indischer Ozean bei De Hoop (Foto: Jan Thomas Otte)
Jan Thomas Otte

Südafrika, ja genau. Südafrika! Eine der beliebtesten Destinationen für Fernreisen. Besonders die Kapregion, die Winelands, die beiden Ozeane ziehen viele Menschen an. Aus aller Welt – und aus Afrika selbst. Notizen einer mehrwöchigen Reise…

Abflug! Billigflieger dominieren Europa. Nicht so die Welt! Langstreckenflüge sind immer noch teuer, schnell vierstellig. So überlegen wir uns, über welche Route wir auf die andere Seite des afrikanischen Kontinents fliegen. Über Dubai? Mehrere Stunden Aufenthalt, dazu ein weiterer Stop in Istanbul (politisch gerade etwas heikel in der Türkei). Oder Doha? Gibt es auch, sogar der günstigste Flug, ein paar Hunderte an Euros weniger…

Einziger Haken: 15 Stunden Aufenthalt auf der saudiarabischen Halbinsel, so lange dauert bereits die gesamte Flugzeit von Frankfurt über Johannesburg nach Kapstadt. Für diese Option haben wir uns entschieden, mit Lufthansa und „South African Airways“.

So geht es mit der Regenbogenflagge im Blickwinkel und am Flügel raus aufs Mittelmeer. Rüber nach Afrika! Wir fliegen über Länder wo wir lieber nicht notlanden würden: Libyen, Chad, die so genannte Demokratische Republik Kongos, und andere Schurkenstaaten.

Zur Zeit der Apartheid, die ist gerade mal 23 Jahre her (1994) mussten die Flieger von/nach Südafrika ein Riesenumweg machen. Einzige Möglichkeit in Afrika zwischenzulanden: die Kapverdischen Inseln, ca. 600 km vor Westafrika. In reiner Luftlinie sind es etwa 10.000 km von Köln bis Kapstadt.

Hat viele Infos, dafür ziemlich dick und auch nicht ganz so günstig wie der „Marco Polo“. Lohnt sich trotzdem. Buch kaufen…

Nur noch eine Schrecksekunde: Gepäck kam nicht, Bandstillstand – war dann aber beim Übergepäck, die Kraxe. Puh! Jetzt nur noch Mietwagen übernehmen und trotz Schlaftrunkenheit, sich in den Arm zwickend, schön brav auf der linken, rechten Seite bei 5 Spuren in eine Richtung nach Kapstadt Downtown zu fahren.

Mit langer Anreise zum Flughafen, den ganzen Pufferzeiten beim Umsteigen mit Kindern und öffentlichen Nahverkehr (man kann ja nie wissen), sind wir sage und schreibe 30 Stunden unterwegs gewesen. Und dabei hätten wir für den Flugpreis mit geringerer Netto-Flugzeit auch nach Neuseeland fliegen können…

Ankommen. Bloubergstrand, Bo-Kaap, Green Market und Signal Hill.

Allzu viel habe ich von dieser Stadt nicht erwartet. Die Bilder im Prospekt (es war die Bild-Suche im Netz) sehen jetzt ehrlich gesagt nicht so verlockend aus. Betonbunker Reihe für Reihe, könnte auch eine Grossstadt in den USA sein!

Warum wir uns für Kapstadt als Start der Reise entschieden haben ist vor allem die Lage, umspült von zwei Ozeanen, viele Buchten, weisse Strände (und Haie), markante Berge rund um den Tafelberg – einem der 7 neuen Naturwunder, dem Löwenkopf („Lions Head“) sowie der Teufelspitze („Devil’s Peak“). Sieht schon schön aus, aus der Stadt in die Stadt zu gucken, dieser Blick vom Bloubergstrand.

In die eine Richtung, dahinter sieht es aus wie in Miami: Bettenbunker mit teuren „Appartments mit Seeblick“ (immerhin, der ist wirklich atemberaubend), darunter die Tankstelle für die spritfressenden SUV’s sowie der passende KFC-Drive-Through.

Dieser Stadteil ist übrigens nahezu komplett „weiß“ – wie Cliffton und Camps Bay, die anderen beiden Milieus der Schönen (Ansichtssache) und Reichen, zumindest bezogen auf ihre Kreditwürdigkeit bei der Bank.

Tafelberg – über Wolken und Wellen

Stundenlanges anstehen am Lift, trotz Online-Ticket. In der Zeit wären wir auch zu Fuß auf dem Berg gekommen, wäre aber natürlich deutlich schweißtreibende Variante gewesen. Wellenreiter-Watching, James Walk an der Küste nach St. James, bunte Umkleidekabinen, leckerer Fisch zum Abendessen

Rund ums Kap der Guten Hoffnung

Ja, es ist DER LP. Lonely Planet, wir wir ihn kennen und lieben. Etwas für Abenteurer, für Entdecker die mehr sehen wollen vom Land und seinen Leuten. Südafrika! Buch kaufen…

Künstlermarkt in Hout Bay, Picknick am Chapmans Peak Drive (Autowerbung!), Wavewatching bei Nordhoek, Affenflucht/ Reisebus-Alarm am „Cape Point“ – Pinguinkolonie am Boulders Beach, Abendessen im „Olympic Café“ in Kalk Bay – Spaghetti mit „Yellow Fish“ und Meeresfrüchten, Boyes Drive mit tollem Panorama über die falsche Bucht

Südafrika ist riesengross. Und der LP versucht, all das in 1 Buch zusammenzufassen. Schaut in euch an, oder kauft in euch gleich hier. Über 1000 Tipps inklusive…

Rust en Wrede: Nobiles Weingut, Nelson Mandela bestellte sich einen dieser Weine für sein Dinner bei der Verleihung des Friedensnobelpreises. 

Vergelegen: leckeres Steak, teuer angelegte Gärten, Park, Weingüter sind die Schlösser, zumindest wurde sie von über 300 Jahren so angelegt

Weinguuuuuuuuut!

  1. Thelema: Easy going! Weinbauer mit Verkostung – tolle Weißweine, nicht nur am Bodensee
  2. Boschendal: Picknick im Park, nebenan Waldbrand vor zehn Tagen gelöscht, ging bis zu Dorfschule
  3. La Motte: guter Rotwein hat einen neuen Namen! Mit allem: Weinkauf, Beratung, Verpflegung und Unterkunft, hier noch ein Heimatmuseum, Souvenirshop, Helikopterlandeplatz. Liebling: Semillon-Mix. 

Wine & Dine

Fairview: Guter Wein, leckerer Käse (Bio Laden zu Hause, mal was anderes als das ganze Plastikzeugs aus dem Supermarkt), leckere Ziegenwurst! 

So muss ich Afrika anfühlen, nach Willem das erste mal wo du denkst, du bist in Afrika. Zumindest das Klischee, dass immer wieder gerne in Reiseprospekten aber auch Liebesfilm im Fernsehen verbreitet wird. Diese Weite, diese Vegetation aus kleinen Büschen, dazwischen ein paar Springböcke und Antilopen, Zebras und Rebhühner.

Dann sind denn diese fantastischen Dünen, ein Gefühl von Sahara (ohne entführt zu werden), die tosende Brandung des indischen Ozeans, ein Duft in der Luft, atemberaubend schön diese dünnen die ihre Form jeden Tag durch die Kraft des Windes verändern. Und Wind gibt es hier am Kap jede Menge!

Kapstadt. Ja, Kapstadt! Eine der spannendsten Städte der Welt. Der MP versteht es, dass auf wenigen Seiten zu bündeln. Praktisch-gut, mit der Karte....

Kapstadt. Ja, Kapstadt! Eine der spannendsten Städte der Welt. Der MP versteht es, dass auf wenigen Seiten zu bündeln. Praktisch-gut, mit der Karte. Hier kaufen….

Es ist heiß, sehr heiß. Den Strand haben wir gesehen, noch mal 14 km Piste (wir gehen zum Abend dorthin für einen Sun Downer, gute Weine aus Südafrikagibt es bereits für wenige Euro im Supermarkt), gehen wir an den Pool, der in dem Brackwassertümpel „aufgeht“ (Infinity Pool)

Wir fahren über den Tradow Pass, die Straße schlängelt sich den Berg hoch, und irgendwann gibt es nur noch sie, diese Straße wo der ab und zu ein paar Pick up entgegenkommen, mit zumeist weißen Farmern und Ihren (schwarzen) „Boys“ auf der Ladefläche, die auf die lokalen Märkten fahren um ihre Produkte feil zu bieten: Gemüse, Obst, Eier und jede Menge Vieh. Darum geht es in der südafrikanischen Küche, jeder Menge Fleisch: Rind – Rumpsteak und boerewors (Hackfleisch mit Koriander), Lamm oder eben Strauß.

Und der Ort wohin wir fahren, gilt als Hotspot für die Produktion von Straußen. Ein lustiger Vogel, wie wir finden. Er ist nicht nur der größte, schwerste (bis 135 KG) und schnellste Vogel (bis 80 km/h) der Welt im Lauf-Modus, er hat auch einen interessanten Ernährungsplan: Scherben, Steine, Teile von Autoreifen, was immer in seinen Schnabel kommt. Es darf nur nicht zu grün und zu saftig sein. Was für ein genügsamer Vogel ist das denn! Wir essen sein Fleisch heute zum ersten Mal, es ist zart, von der Konsistenz nah am roten Rindfleisch, von der Leichtigkeit wiederum nah beim Chicken. Kaum Cholesterin! Sehr gesund und leicht bekömmlich..

Wo Weiße im Schnitt 900 € pro Monat verdienen, farbige 200€ und schwarze lediglich 100 € (die wiederum 90 % der Gesamtbevölkerung ausmachen) läuft etwas grundlegend verkehrt – trotz allem Boom in der fortschrittlichsten Volkswirtschaft des schwarzen Kontinents, Aufnahme in BRIC/S!

Diesen Kontrast kenne ich sonst nicht, im Vergleich zu den Kapverdischen Inseln, einer ähnlichen mich Bevölkerung wo aber viele wenig haben und damit irgendwie zurecht kommen, jeden Tag aufs Neue – statt wenige viel. So kommt es vor auf der Straße, dass ein Ferrari, BMW Kabrio oder ein klobiger, blitzeblanker Landrover einen Eselskarren überholt oder Klapperkisten von Nissan, die nicht mal eine Zulassung, geschweige denn eine Haftpflichtversicherung haben.

Südafrika – 1,2 Millionen Quadratkilometer gepackt auf 140 Seiten. Geht nicht? Gibt’s doch. MP fürs Handgepäck, die Hosentasche. Hier kaufen…

Noch etwas zum Umgang mit Schwarzen: Wolfgang hat einen Manager angestellt, er heißt Alfred. Der Umgang ist hier klar hierarchisch, Wolfgang redet mit Alfred und Alfred redet wieder mit den Gärtnern, den Putzfrauen und der Köchin – ziemlich ruppig für europäische Ohren, aber vielleicht „muss“ das hier so sein. Und in der Landwirtschaft ebenso wie in der Gastronomie weht ein anderer, direkterer und manchmal auch harscher Wind im Vergleich zur Ministerialbürokratie (und vom letzterem hat die ZAR viel)…

Ab in die Wüste! Von der „Little Karoo“ in die „Greater Karoo“

Swartberg-Pass, Oase – manche fahren hier mit voll ausgestatteten Geländewagen hoch, wir nehmen den Toyota Corolla…

Die große und die kleine Wüste (Puffer zwischen dem grünen Landstrich an der Küste und den endlosen Weiten der Wüste, die mehr als ein Drittel der gesamten Republik abdeckt) haben etwas gemeinsam. Sie werden beide abgeschirmt von hohen Bergketten, die in ihrer Mitte für ein arides, trockenes und wüsstenartiges Klima sorgen.

Nur die Pässe dazwischen sorgen dafür, dass Touristen ebenso wie Einheimische innerhalb von wenigen Stunden Autofahrt in eine völlig andere Klimazone kommen. Normalerweise wären dafür eben so lange Stunden via Flugzeug nötig, zum Beispiel von Europa in die Sahelzone.

Südafrika, diese Regenbogennation ist landschaftlich ebenso vielfältig und reizvoll wie die Leute, die hier wie an anderen Orten dieser Welt auch (leider) meist nebeneinander statt miteinander leben. 13 offizielle Amtssprachen und mindestens ebenso viele Landschaften, wo du nicht genau weißt, wo du bist, wenn du aus dem Mittagsschlaf geweckt wirst: das tolle Licht in Neuseeland, aber auch die endlosen Weiten der Wälder (ja, die gibt es hier!) in Skandinavien, den Steinwüsten und der Pampa Südamerikas, den Nationalparks in den USA (Paarl-Rock als Leihgabe aus Yosemite?), ebenso aber auch der Regenwald – aus Thailand oder Tansania, irgendwas dazwischen.

Weite, Wüste, Wind

Das Meer ist jetzt weit weg, wir sind etwa 500 km weg von Kapstadt, etwa 300 km von der Küste des indischen Ozeans (seit De Hoop nicht mehr der Atlantik). Draußen tobt der Wind mit Windstärken von 5-7 Beaufort, das Thermometer im Schatten ist kurz davor, die 40° Marke zu knacken, immerhin: die Luftfeuchtigkeit liegt bei mehr oder weniger (wenn es das gibt): 0 %

Stundenlang sind wir gestern Straßen gefahren, die nur in eine Richtung zeigen: nach vorne, und sich irgendwo verlaufen am Horizont, im flimmern der Luft über der Straße, wo sich nur die LKW drin verlieren, die sich hier mit Tempomat 100 auf der Nationalstraße 1 zwischen Kapstadt und Johannesburg, der Lebensader Südafrikas, fortbewegen.

Hier nicht einzuschlafen und gleichzeitig immer noch ein Gefühl für die Geschwindigkeit zu behalten, ist echt eine Kunst. Ebenso, das Lenkrad fest zu halten, wenn die nächste Windhose oder der Wirbel nach einem vorbeifahrenden LKW kommt. Middle of nowhere! Mittlerer Westen, eine Landschaft wie im Winnetou Film – wenn er denn tatsächlich in den USA statt Kroatien gedreht worden wäre…

Artikelbilder: Jan Thomas Otte

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