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admirado | 17. Oktober 2017

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Kenia: Schulbau mit Hindernissen

Schulprojekt in Kenia (Foto: Astrid Kühne) Baby auf dem Arm (Foto: Astrid Kühne) Wasser marsch beim Schulbau (Foto: Astrid Kühne) Einer der Schüler (Foto: Astrid Kühne) Klassenbild (Foto: Astrid Kühne)
admirado
  • On 17. Juni 2012
  • http://www.admirado.de

Kimilili ist ein kleines Dorf im Zentrum Kenias, nur schwer zugänglich und für Touristen gibt es nichts zu sehen. Aber Kimilili ist eine Reise wert, sie kann Leben verändern. Astrid Kühne begleitet den Bau einer Schule…

Im Dezember 2007 führten die Neuwahlen in Kenia zu großen Unruhen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Der Protest eskalierte, fast 1.000 Menschen wurden getötet und über 600.000 (ca. 1,5% der Bevölkerung!) vertrieben.

Unter ihnen ein Pfarrer aus Nairobi, Reverend Wasike. Dieser hatte mit viel Mühe in Nairobi den Aufbau einer Schule für 300 Waisenkinder begonnen. Mit den Kindern im Gepäck floh er nach Kimilili und startete neu. Da er die Miete für die Lehmhütte nicht zahlen konnte, wurden die Kinder unter einem Baum unterrichtet.

Neben dem fehlenden Schulgebäude gab es auch keine Toiletten, keine Schulbücher, kein Essen. Aber es gab Hoffnung – Hoffnung auf ein bisschen Bildung und auf eine bessere Zukunft.

Im Dezember 2010 fanden Agnes und Alex in Kimilili eine Schule vor, die durch das Ministerium für Bildung kurz vor der Schließung stand. Mit der Hilfe von Spendengeldern von Freunden und Familie wurde ein Stück Land gekauft, Lehmhütten und Toiletten gebaut, Wasserzugang organisiert und ein Lunch-Programm etabliert.

Das Austeilen von Reis und Bohnen über Mittag ist für viele der Waisen die einzige Mahlzeit am Tag und eine riesige Motivation zur Schule zu gehen. Im Dezember 2011 flog auch ich mit Agnes und Alex für vier Wochen nach Kimilili. Die Situation war noch immer prekär – Veränderungen mussten her!

Eimerweise Bohnen auf kleine Teller

Das Lunch-Programm läuft organisiert ab. Die Kinder stellen sich in Reihe auf und bekommen aus den großen Eimern ihre Bohnen auf kleine Teller. Mit oder ohne Löffel setzen sie sich unter einen Busch und essen gierig auf, bringen die Teller zurück und stellen sich vor den kleinen Hahn an für ein Becher Wasser. Die Teller und Löffel werden ungewaschen an die nächsten Kinder weitergegeben und nicht selten werden so Krankheiten verbreitet.

300 neue Teller, Löffel und Tassen, sowie Behälter zum Abwaschen des Geschirrs führten zu einem prozessoptimierten Ablauf und zu mehr Hygiene. Neue Wasserkanister konnten schon morgens mit Wasser gefüllt werden und Situationen wie „oh – again no water and nothing to drink“ vermieden werden.

Aus Mangel an Lehmhütten wurden drei Klassen noch unter freiem Himmel unterrichtet. Bei 35 Grad versuchten sich die Kinder mit Pullis auf dem Kopf vor der Sonne zu schützen – aber an konzentriertes Lernen war nicht zu denken. Mit Hochdruck wurden zwei Planen zwischen Lehmhütten aufgespannt, so dass zumindest ein bisschen Schatten vorhanden ist. Es gibt auf dem Gelände nur ein paar kleine Büsche, aber keine Bäume die Schatten spenden.

Inzwischen konnten genug Hütten für alle Klassen gebaut werden. Die Holz- und Lehmkonstruktion hält durch die Sonne und die heftige Regenzeit nur wenige Jahre. Die Kinder, die den Lehm abbröckeln und essen (immer noch – trotz Lunch Programm!) tun ihr Restliches dazu. Die Wände sind löchrig und das Wellblechdach rostet und lässt den Regen durch.

Dieser weicht den Lehmboden auf und Lernen wird nicht nur erschwert, sondern oft unmöglich. Im Dezember konnten Agnes, Alex und ich den Bau eines permanenten Schulgebäudes aus Zement und Ziegelsteinen starten.

1 Euro für 1m Länge, 120 cm Tiefe, 60 cm Breite

Es mussten 60 „Digger“ (Bauarbeiter) koordiniert werden, die über mehrere Tage in der brühenden Hitze mit Spaten in Handarbeit das Fundament ausgegraben haben. Das beinhaltete das genaue Aufzeichnen wer an welchem Stück arbeitet und wer wie viel Geld bekommt (1 Euro für 1m Länge, 120 cm Tiefe und 60 cm Breite!) sowie die Versorgung der Arbeiter mit Essen, Getränken und Zuckerrohrstangen.

Letztere als Gimmick für die Erhaltung der Motivation. Die Reise nach Kimilili hat nicht nur viele Veränderungen in Kenia gebracht. Auch für mich persönlich war jede Sekunde mit den Kindern vor Ort eine Bereicherung. Zurückkommen zu PowerPoint und Excel war da nicht einfach.

Während der 8 Stunden Busfahrt zurück nach Nairobi haben uns Läuse zum Fressen lieb gewonnen. Die Biester sind mit nach Amsterdam und Zürich geflogen und wir waren 15 Stunden lang damit beschäftigt, uns wie wild zu kratzen und zu jucken. Kaum ging die Haustür auf, haben wir uns die Klamotten vom Leib gerissen und vor die Tür geworfen. Nach vier Wochen endlich wieder eine lange, heiße und nicht enden wollende Dusche…

Am nächsten Tag ging es mit dem Fahrrad zum Zürichsee. Wir waren überwältigt und sprachlos über die Schönheit der Häuser, die teuren Autos, den Luxus in den Geschäften und die düsteren Blicke der Passanten. Wir wünschten uns zurück zum lauten Gelächter unserer 300 hungrigen, durstigen und dreckigen Waisenkinder.

Das Fundament ist inzwischen abgeschlossen. Nach der Regenzeit soll ab ca. September der Bau der 10 Klassenzimmer starten. Wir suchen dafür noch Volunteers, die den Bau managen. Willst du auch Veränderung bewirken? Melde Dich gerne bei mir! Jede Hilfe wird dringend gebraucht!

Artikelbilder: © Astrid Kühne

Logbuch| Astrid Kühne beschreibt ihre Reise lehrreich wie kaum eine andere, nach Kenia. Statt Klassiker wie Wild-Safaris oder die Tour auf den Killmanscharo half Astrid lieber beim Bau einer Schule. In einer kleinen Stadt mit 10.000 Einwohnern. Mehr Infos zur Stiftung im Netz…

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